Tag 41. Die Aufgabe.

Das Leben nämlich ist zwar keineswegs das höchste der Güter, an welches wir uns seiner Köstlichkeit wegen jedenfalls zu klammern hätten, sondern es ist als eine uns gestellte – und wie mir scheinen will – gewissermaßen selbst gestellte, schwere, strenge Aufgabe zu betrachten, welche mit Standhaftigkeit und Treue durchzuhalten uns unbedingt obliegt – und der vor der Zeit zu entlaufen zweifellos eine liederliche Aufführung bedeutet. In diesem besonderen Falle jedoch macht mein Urteil halt, um sich in das reinste Mitgefühl zu verkehren, wie denn auch wir Hinterbliebenen großes Gewicht darauf legen, dem Geschiedenen nicht ohne geistlichen Segen in die Grube fahren zu lassen.

Thomas Mann: Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

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