Tag 77. Geist.

Dieser katholisch-nationalsozialistische Geist, wenn ich das Wort Geist in diesem Zusammenhang, weil ich nicht anders kann, schon einer solchen Beschmutzung auszusetzen gezwungen bin, hatte ich zu Gambetti gesagt, herrschte immer in Wolfsegg und er wird immer dort herrschen. Mein Bruder Johannes ist von demselben Geist, wie übrigens meine Schwestern auch, diese aber natürlich auf die dummdreiste Art zum Unterschied von meinem Bruder Johannes, der, wie unser Vater, den katholisch-nationalsozialistischen Geist, welcher ja, wie ich schon oft gesagt habe, der österreichische Ungeist ist, mehr oder weniger lebenslänglich gepflegt hat. Ich selbst habe ich mich diesem Geist entzogen, Gambetti, wenngleich ich auch lebenslänglich diesen Kampf zu kämpfen haben werde, weil dieser Geist ein angeborener ist und die angeborenen Geister wird man entweder gar nicht mehr, oder nur auf die fürchterlichste Weise zwar immer wieder, aber wahrscheinlich niemals endgültig los, Gambetti. Aber meine Existenz ist die lebenslängliche Befreiung von diesem österreichischen Ungeist, hatte ich zu Gambetti gesagt.

Thomas Bernhard: Auslöschung

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