Tag 112. Liebhaberei.

Marx hat, wenn auch mit ganz ungerechtfertigter Genugtuung, das „Absterben“ des öffentlichen Bereichs unter den Bedingungen einer ungehemmten Entwicklung der „gesellschaftlichen Produktivkräfte“ richtig vorausgesagt; und er hat auch recht behalten mit seiner kuriosen Voraussage, dass das vergesellschaftete Animal laborans seinen Überschuss an Freizeit, also seine teilweise Befreiung von der Arbeit, nicht dazu benutzen würde, sich der Freiheit der Welt zuzuwenden, sondern seine Zeit im wesentlichen mit den privaten und weltunbezogenen Liebhabereien vertun werde, die wir Hobby nennen.¹

Hannah Arendt: vita activa – oder vom tätigen Leben

¹Kapitel III. Fn. 65: In einer kommunistischen oder sozialistischen Gesellschaft würden nach Marx alle Berufe zum Zeitvertreib eines Hobbys degenerieren. Sie würde ermöglichen, “heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe; ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden”. Denn “in einer kommmunistischen Gesellschaft gibt es keine Maler, sonder höchstens Menschen, die unter anderm auch malen” (Deutsche Ideologie, S. 22. u. 373).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s