Tag 175. Existenz.

Ein Lebensposten ist gar nicht so ohne. Ganz gewiss nicht. Jedermann sieht gern ein, dass mit einer Weltposition hundert kleine Schönheiten, Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten verbunden sein können, so zum Beispiel die reizende, ruhige Mitgliedschaft zum literarischen Lesezirkel. Wer eine Existenz hat, darf sich gemütliche Bockbierabende erlauben. Das regelmäßige Einkommen sitzt abends im Konzert oder im Theater. Der gute Monatslohn macht mit Schwung und Selbstbewusstsein Maskenbälle mit. Und doch hängt an der Lebenspostenexistenz manches, was nicht fein ist, unter anderem die Unterminierung der körperlichen und geistigen Gesundheit. Hier sei schüchtern an das menschliche Nervensystem erinnert.

Robert Walser. Der Gehülfe

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2 Comments

  1. Wenn der Lebensposten eine solche große Bedeutung für die Entfaltung kultureller Aktivitäten hat(te), dann muss uns in den Zeiten von ALG2 und Zeitarbeit Angst und Bange werden. Ob der Verzicht auf den Lebensposten hingegen wirklich gut für die körperliche und geistige Gesundheit ist, ist sogar bei der Agentur für Arbeit umstrittten. Noch ist nicht klar, ob Krankheit arbeitslos macht oder Arbeitslosigkeit krank.

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