Tag 193. gewöhnlich.

Das Hervorstechende an mir ist, dass ich ein ganz, beinahe übertrieben gewöhnlicher Mensch bin. Ich bin einer der Vielen, und das gerade finde ich so seltsam. Ich finde die Vielen seltsam, und denke immer: „Was machen, was treiben sie nur alle?“ ich verschwinde förmlich unter der Masse dieser Vielen. Wenn ich mittags, wenn es zwölf Uhr schlägt, von der Bank, wo ich beschäftigt bin, nach Hause eile, so eilen sie alle mit, einer sucht den andern zu überholen, einer will längere Schritte nehmen als der andere, und doch denkt man dabei: „Es kommen doch alle nach Hause.“ In der Tat kommen sie alle nach Hause, denn es ist kein ungewöhnlicher Mensch unter ihnen, dem es arrivieren könnte, dass er den Weg nicht mehr fände nach Hause.

Robert Walser: Helblings Geschichte

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2 Comments

  1. Und jeder will anders sein, besonders sein und ist doch darin gerade wieder einer von vielen, den anderen gleich, die auch nicht gleich sein wollen. Und dann zieht er aufs Land, weg von den Städtern, die alle gerade aufs Land ziehen und flüchtet dann wieder in die Stadt.

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  2. Ihr Kommentar erinnert mich an ein anderes Zitat, mir fällt nur nicht ein, welches. Gilt fürs Sein wie fürs Da_Sein: Neulich noch in einem interessanten Blog gelesen (gilt v.a. auch für Berlin): Endlich mal raus ins Grüne – und siehe da: alle anderen hatten dieselbe Idee … (Das denkt man tatsächlich: wieso sind alle immer gerade da, wo man selbst ist?)

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