Tag 268. Überklugheit.

Anna Quangel aber hatte in dieser Woche noch eine schwierige Arbeit zu erledigen. Beim Einschlafen am Sonntag hatte ihr der Mann noch gesagt: „Sieh, dass du aus der Frauenschaft rauskommst. Aber so, dass es keinem auffällt. Ich bin auch meinen Posten bei der Arbeitsfront los.“
„Oh Gott!“, rief sie. „Wie hast du das denn gemacht, Otto?“
„Wegen angeborener Körperdoofheit“, hatte Quangel ungewöhnlich aufgeräumt geantwortet und damit diese Unterhaltung beendet.
Sie aber hatte ihre Aufgabe nun vor sich. Wegen Doofheit würden die sie nie laufenlassen, dafür kannten sie die Quangel zu gut, ihr musste schon etwas anderes einfallen. Den Montag und Dienstag grübelte Anna Quangel darüber, am Mittwoch glaubte sie es schließlich zu haben. Wenn Doofheit bei ihr nicht verfing, dann vielleicht Überklugheit. Überklugheit, zu viel wissen, zu schlau sein, das war denen noch lästiger als ein bisschen Doofheit. Und Überklugheit, gepaart mit Übereifer, ja, so musste es gehen.

Hans Fallada, Jeder stirbt für sich allein

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2 Kommentare zu „Tag 268. Überklugheit.

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