Tag 305. irreduktibel

Welche Versfragmente aus der althebräischen und der altirischen Sprache wurden mit Modulationen der Stimme und Übersetzung der Texte vom Gast dem Gastgeber und vom Gastgeber dem Gast zitiert?
Von Stephen: suil, suil, suil arun, suil go siocair agus, suil go cuin (geh, geh, geh deinen Weg, geh in Sicherheit, geh mit Vorsicht).
Von Bloom: Kifeloch, harimon rakatejch m’baad l’zamatejch (deine Wangen sind wie der Ritz am Granatapfel zwischen deinen Zöpfen).

[…]

Welche Berührungspunkte bestanden zwischen diesen Sprachen und den Völkern, die sie sprachen?
Die Präsenz gutturaler Laute, diakritischer Aspirationen, epenthetischer sowie Hilfsbuchstaben in beiden Sprachen: ihr Alter, da beide in dem von Fenius Farsaigh, einem Nachfahren Noahs, des Erzeugers Israels, und Vorfahren Hebers und Heremons, der Erzeuger Irlands, gegründeten Seminar im ebenen Land im Lande Sinear 242 Jahre nach der Sintflut gelehrt worden waren: ihre riesige archäologische, genealogische, hagiographische, exegetische, homiletische, toponomastische, historische und religiöse Literatur, welche die Werke von Rabbis und Kuldeern umfasste, Torah, Talmud (Mischna und Gemara), Massorah, Pentateuch, Book of the Dun Cow, Book of Ballymore, Garland of Howth, Book of Kells: ihre Verbreitung, ihre Verfolgung, ihr Überleben und ihre Wiederbelebung: die Isolation ihrer synagogischen und kirchlichen Riten in Ghetto (St. Mary’s Abbey) und Bethaus (Adam and Eve’s Tavern): die Ächtung ihrer Nationaltracht in Strafgesetzen und jüdischen Kleidungsvorschriften: die Erneuerung in Chanan David von Zion und die Möglichkeit irischer politischer Autonomie oder Devolution.

Welche Hymne sang Bloom in teilweiser Vorwegnahme dieser multiplen, ethnisch irreduktiblen Vollendung?

Kolod balejwaw pnimah
Nefesch, jehudi, homijah.

Warum wurde dem Gesange am Schluss dieses ersten Distichons Einhalt getan?
Infolge mangelhafter Mnemotechnik.

Wie kompensierte der Sänger diesen Mangel?
Durch eine periphrastische Version des allgemeinen Textes.

James Joyce, Ulysses

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6 Kommentare zu „Tag 305. irreduktibel

  1. Oha, welch blitzgescheite Abhandlung! Versteh noch nicht genau, um was es eigentlich geht, aber ich liebe es sehr, mich „hinauflesen“ zu müssen in schwindelnde Geistsphären, da werden meine Synapsen durchgelüftet, dankschön, lieber Frau Kaschpar! Sehr interessante Gschichten, die Du hier machst!

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    1. joyce hat eine unglaubliche phantasie, gepaart mit glänzendem wissen und womöglich einer gigantischen bibliothek samt grandiosem gedächtnis, weil er ja wohl den gesamten text außerhalb dublins geschrieben haben muss (jetzt hab ich ihn glaub ich genug in die höhen erhoben 😉 mein projekt, das ganze im original zu lesen, steht noch aus …)

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