Tag 368. Theater.

Ich war dazu vorgebildet – wäre ich nur alt genug gewesen, sie zu verstehen -, alle rechtsgerichteten Lebensregeln anzuerkennen, die mir ein linksgerichteter alter Mann durch sein Verhalten beibrachte: dass die Wahrheit und die Fiktion ein und dasselbe bedeuten, dass man die Leidenschaft spielen muss, um sie zu empfinden, dass der Mensch ein Wesen ist, das mit Hilfe von Zeremonien lebt. Man hatte mir beigebracht, wir seien auf der Welt, um voreinander Theater zu spielen; mit dem Theater war ich einverstanden, verlangte jedoch, dabei die Hauptrolle zu spielen.

Jean-Paul Sartre: Die Wörter

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2 Comments

  1. Rechtsgerichtete Lebensregeln und linksdrehende Joghurtkulturen. Herr Satre… ein Vergessener? „die Leidenschaft spielen (…), um sie zu empfinden“, das erinnert mich an das Lachyoga. Theater. Schön ist natürlich der Satz, dass er damit einverstanden sei, wenn er die Hauptrolle bekäme. Die hatte er dann ja auch.

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    1. Sie spüren + zweifeln an dem das ganze Buch säumenden leicht ironischen Unterton, die gebrochene Herabziehung. Mir geht es ähnlich und ich komme nur auf Absätze an den Text im Ganzen heran, in einzelnen Sätzen, das große Ganze zieht wie Nebel an mir vorbei, ich weiß nicht, warum er da schreibt. (Demnach passt der Titel, der Schwierigkeiten bei der Übersetzung hatte und am Ende: Wörter lautete, (nicht: Worte)).

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