Tag 372. pflegen.

„[…] Unser Vater“, fuhr er, mit einem halb lachenden, halb klagenden Blick zu Bettine fort, „ist nämlich ein ‚alter Narr‘ – das bedeutet hier nichts Despektierliches, sondern nur, dass er von Jugend auf zum Präsidium des einheimischen Karnevalvereins gehört und sich die Pflege der Fastnacht, ihrer Gebräuche, Zeremonien, Festivitäten, zu einer Art von Lebensaufgabe gemacht hat, die er sich auch eine ganze Menge Geld kosten lässt … Er wurde vor fünfundzwanzig Jahren schon einmal zum Prinz Karneval gewählt […].“

[…] Ob denn die Mutter, fragte Viola, auch als Prinzessin Karneval fungiere? Die Geschwister lachten hell auf. Das fehlte noch! Nein, die Mutter pflegte noch nicht einmal den großen, traditionellen Maskenball in der Stadt mitzumachen, den kaum ein erwachsener Mensch in Mainz versäumte – sie pflegte nur ihre Blumen und ihre Migräne …

Carl Zuckmayer, Die Fastnachtsbeichte

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9 Comments

  1. Ah, der Zuckmayer! Ein Schwarzweißfoto aus seiner Autobiographie hab‘ ich (so etwas mache ich sonst nie) einst vorsichtig herausgetrennt und als Lebensvision wo archiviert (wo hab‘ ich’s nur? Wohl in einem Ordner der Reihe ‚Collected papers & objets trouvés‘) – sein Steh-Schreibpult auf der Backwoods Farm, im Exil.

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      1. Ein toller Beitrag. So Wohnen und Arbeiten, das wär’s. Am besten ist der Satz „Everything must be absolutely what I am used to.”
        Gute Nacht aus Schweden!

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