Tag 450. Unwissenheit.

In vollkommener Unwissenheit und Gemeinheit haben uns unsere Erzeuger und also unsere Eltern in die Welt gesetzt und werden, sind wir einmal da, mit uns nicht fertig, alle ihre Versuche, mit uns fertig zu werden, scheitern, sie geben früh auf, aber immer zu spät, immer erst in dem Augenblick, in welchem sie uns längst zerstört haben, denn in den ersten drei Lebensjahren, den entscheidenden Lebensjahren, von welchen unsere Erzeuger als Eltern aber nichts wissen, nichts wissen wollen, nichts wissen können, weil jahrhundertelang immer alles getan worden ist für diese ihre entsetzliche Unwissenheit, haben uns unsere Erzeuger mit dieser Unwissenheit zerstört und vernichtet und immer für unser ganzes Leben zerstört und vernichtet, und die Wahrheit ist, dass wir es auf der Welt imer nur mit in den ersten Jahren von ihren unwissenden und gemeinen und unaufgeklärten Erzeugern als Eltern zerstörten und vernichteten und für ihr ganzes Leben vernichteten Menschen zu tun haben.

Thomas Bernhard, Die Ursache

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10 Comments

  1. Liebe Frau K., angesichts Ihres heutigen Geburtstags, zu dem wir Ihnen ungeachtet der Ihnen früh aufgebürdeten, obgleich von Ihnen nicht erwünschten, dennoch oder gerade deshalb besonders schwer wiegenden und nie wieder abzuschüttelnden, jedoch vielleicht auch nicht nur erdrückenden, sondern zumindest dem Boden einen Stand gebebenden, ja, mitunter gar, und dann womöglich umso gegenteiliger erhebenden Last, gratulieren, jedenfalls von den Ihnen nahe stehenden und Sie gern habenden ZeitgenossInnen so wahrgenommenen, deren Urteil Ihnen allerdings, so wie wir Sie – fälschlicherweise? – einzuschätzen neigen, schleierhaft vorkommen mag, schließlich seien die Anderen nicht Sie selbst und wüssten daher nicht um Ihre inneren Mühen, nichtsdestotrotz sind sie, die eben nur im Vagen gehaltenen Anderen, eben keineswegs die Hölle, allerdings auch nicht der Himmel, sondern das gemeine Leben, das manchmal aber doch auch ganz freundlich sein kann, heute ganz bei Ihnen, wenn auch nicht in jedem Fall tatsächlich da, doch das ist einerlei, ganz einerlei, weil alles Gute, das braucht keine Physis, hindert womöglich mehr als fördert, so dass der Wunsch vielleicht als Buchstabenaneinanderreihung genauso viel wertet. G_L_Ü_C_K_W_U_N_S_C_H_

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    1. lieber Herr Stern des Südens, wir werden uns nicht anmaßen, Ihnen in derselben weise danken zu wollen, wie Sie uns Ihren gruß in der besten manier überbracht, indem Sie vortrefflich duktus, ton + bau des satzes des herrn bernhard so stilartgetreu nachgeformt und auf erfreuliche weise unsere seele tüchtig gesalbet haben. wir wollen nur sagen: herzlichen dank, Sie kriegen den preis für das weltschönste unterstr_ich_setzungs_wort! mit den besten grüßen aus dem wedding (originalsprache: „ich geh schillerpark“), die frau k.

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  2. Liebe Frau K.,
    im Namen des Herrn Stern des Südens, dessen Geist kurzfristig umwölkt war, vielleicht ob des umfangreichen Kürbisgenusses, soll ich bestellen, dass das entscheidende Verb noch ergänzt werden müsse. Hinter „Last“ ist ein „gratulieren“

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