Tag 692. Rührung.

Die Geige klingt zu meiner Überraschung mächtig und klar.
Zaghaft stimme ich ein. Ich flüstere mehr als dass ich singe. Er unterbricht das Spiel.
Ein bissel lauter müsste es schon sein. Piano meinetwegen, nicht pianissimo. Verstehst mich?
Ich versteh ihn gut.
Am liebsten würde ich ihm bloß zuhören.
Wir proben jedes Lied zweimal. Dann packt er unverzüglich die Geige in den Kasten, tätschelt mir die Wange, riecht, als habe er sich in Eukalyptusessenz gebadet.
Wir werden’s überstehen, Bub. Denk an die Rührung.

Peter Härtling, Nachgetragene Liebe

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