Tag 1191. spack.

Berlin, 22.04.1892

Hochgeehrter Herr, es sei gewagt, die Feder in die Hand zu nehmen, trotzdem mir noch recht spack ist. Aber doch vergleichsweise golden. Gerade vor vierzehn Tagen vergiftete ich mich Morphium. Der Apotheker hatte statt 0,05, die verordnet waren, 0,5 genommen, also das zehnfache. Und dieser Zwischenfall brachte mich sehr herunter. Vielleicht nur dadurch, dass die Vorstellung, nun ist es Matthäi am Letzten, meine Nerven so aufregte, dass ich mehrere Tage lang nichts genießen konnte, am wenigsten starken Wein, auf dessen belebenden Zuspruch ich seit Wochen angewiesen war. Endlich nach sehr qualvollen Tagen gab man mir Brom, was auf der Stelle half, so dass ich mich seitdem, und vielleicht sogar noch mehr als vor dem Zwischenfall, als Rekonvalszenten ansehe. 

Theodor Fontane, Mir ist die Freiheit Nachtigall, Brief an Friedländer

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