Tag 251. Unwetter

Meine Jugend war nur ein düsteres Unwetter,
das helle Sonnen hier und da durchbrachen.
Donner und Regen richteten solche Verwüstung an,
dass in meinem Garten nur sehr wenig rote Früchte übrig sind.

Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen, aus: Der Feind

Tag 221. Flecken.

Dummheit, Irrtum, Sünde, Geiz hausen in unserem Geiste
Plagen unseren Leib und wir füttern unsere liebenswürdigen Gewissensbisse
wie die Bettler ihr Ungeziefer nähren.
Störrisch sind unsere Sünden, unsere Reue schlaff
Wir lassen unsere Geständnisse uns reichlich zahlen
Und wandern fröhlich dann den Schlammpfad wieder zuversichtlich
Als wüschen feile Tränen all unsere Flecken ab.

Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen: aus: An die Leser

Tag 33. Weiterleben.

… und meine Seele tränkt sich aus den Fluten,
die deinen Augen der Schmerz entpresst.
Doch warum weint sie?
Sie weint, du Narr, weil sie gelebt hat,
und weil sie lebt.
Doch was vor allem sie beklagt,
was sie erzittern lässt bis in die Knie ist,
dass sie morgen, ach, wird weiterleben müssen.
Morgen, übermorgen und immer so wie wir.

Charles Baudelaire: aus: Die Maske. In: Die Blumen des Bösen