Tag 552. widerstandsfähig.

Ich will gar nichts von ihnen sie sollen mich nur nicht am Schlafen hindern man wird ja reif fürs Irrenhaus man gesteht alles ob es nun wahr ist oder nicht aber darauf sollen sie bloß nicht rechnen ich bin widerstandsfähig und mich werden sie nicht unterkriegen.

Simone de Beauvoir, Monolog

(Zitat, der Geschichte vorangestellt: „Sie rächt sich durch den Monolog.“ Flaubert)

Tag 252. Zuflucht

Ohnmächtig werden, weinen, sich erbrechen – Frauen können diese Zuflucht nehmen; aber auch das hilft nichts. Den Toten gegenüber gibt es keine Zuflucht.

Simone de Beauvoir: Die Mandarins von Paris

 

 

Tag 218. irgend etwas.

Scriassines Gesicht hatte sich verfinstert: “Irgend etwas muss gemacht werden.”
“Warum denn?” sagte Henri.
“Ich schreibe einen Artikel über Lenoir” sagte Scriassine. “Das gibt einen herrlichen Fall politischer Neurose.”
“Na hör‘ mal! Ich weiß, wer ihm in nichts nachsteht”, sagte Henri.
“Wir sind alle Neurotiker”, sagte Julien. “Aber immerhin schreibt keiner von uns Alexandriner.”

Simone de Beauvoir: Die Mandarins von Paris

 

Tag 206. ausfüllen.

Im Taxi zog er Josettes Kopf an seine Schulter, und er fragte sich: “Was kann ich für sie tun?” Ihr dazu verhelfen, dass sie eine Schauspielerin wurde – gewiss – aber sie liebte das Theater nicht im besonderen. Das würde die Leere, die er in ihr fühlte, nicht ausfüllen. Und wenn sie keinen Erfolg hatte? Die freudlose Belanglosigkeit ihres Lebens befriedigte sie nicht, aber wofür konnte man sie interessieren? Man müsste versuchen, mit ihr zu reden, ihren Geist zu wecken … Trotz alledem würde ich sie nicht durch die Museen führen, zu Konzerten schleppen, ihr Bücher leihen und die Welt vor ihr ausbreiten. Er küsste sanft ihre Haare. Er hätte sie lieben müssen: immer kommt man so weit mit den Frauen. Alle müsste man sie lieben, mit einer ausschließlichen Liebe.

Simone de Beauvoir: Die Mandarins von Paris