Tag 317. nix.

Wahrscheinlich wirds peinlich. Macht aber nix.

Josef Bierbichler

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Tag 210. vertun.

Bierbichler: Machst du auch mal eine Pause zwischendurch?
Schlingensief: Ja, ich setze mich zum Entspannen vor einen Film, aber ich gucke natürlich nur einen Film, den ich mag. Also wo ich latent spüre, das ist was.
Bierbichler: Damit du keine Zeit verlierst.
Schlingensief: Dabei entspanne ich mich aber.
Bierbichler: Jaja, schon klar. Aber du verlierst in dem Sinne keine Zeit wie ich, wenn ich TV sehe – die richtig furchtbaren Sachen, um sich zu delektieren an dem Erstaunen, dass es so etwas überhaupt gibt. Das ist eigentlich verlorene Zeit, trotzdem findet der Entspannungsprozess statt. Ich würde es als verlorene Zeit oder als Phase der bewussten Faulheit bezeichnen.

Engagement und Skandal, Bierbichler und Schlingensief im Gespräch

Tag 109. Schutz.

Das Spiel mit der Sprache und mit den Figuren, die ich bin, schützt mich davor, zu morden.
Mehr braucht es nicht. Weil mehr nicht nötig ist. Aber in die Lebensspur zurück kommt man nie wieder. Das weiß ich jetzt.

Josef Bierbichler, Mittelreich

Tag 92. Heiterkeit.

Mit mir allein aber wird aus der Wehmut wieder die Heiterkeit aufstehen. Und warum das so sein wird, bleibt mir, so hoffe ich, verborgen. Sonst würde ich mich, ich fürchte es, über mich selbst totlachen müssen. Über den Bier-Ernst nämlich, den mir das Leben immer wieder aufzwingen will, über den ich aber eigentlich gar nicht verfüge.
Oder doch?

Josef Bierbichler, Verfluchtes Fleisch

Tag 39. Selbstwert.

Und wer mir sagt, er habe keine Zeit, von dem weiß ich, dass er was im Schilde führt, und zwar etwas Gefährliches. Denn meist sind es Leute, die sich minderwertig fühlen, die keine Zeit haben, weil sie ständig darauf aus sind, etwas Hochwertiges schaffen zu wollen, um einem furchtbar am Selbstwert nagenden Gefühl etwas entgegenzusetzen.

Josef Bierbichler: Verfluchtes Fleisch

Tag 19. Keine Rückkehr.

Und so weiß ich wieder einmal, dass ich wieder einmal einen Ort gefunden habe, an den ich nicht mehr zurückkehren werde. Ein solches Wissen macht die Welt zwar wieder etwas kleiner, aber doch auf angenehme Weise, denn wo man nicht mehr hin muss, da ist auch keine falsche Sehnsucht mehr.

Josef Bierbichler, Verfluchtes Fleisch

Tag 9. Überforderung.

Er hat von Anfang an gespürt, dass ihn das überfordert. Sein Ziel lag immer ganz woanders. Meine Wünsche haben mich geprägt, nicht meine Herkunft, denkt er, man kann sich nicht verstellen und so tun, als ob man etwas könnte, was man gar nicht will, selbst wenn man es bekommen hat. Ich bin für diesen Auftrag nicht geeignet. Verfluchtes Erbe, schreit er, verfluchter Zwang, ich will der Knecht nicht sein von diesem alten Krempel, den ihr verfluchten Ahnen hier gebündelt habt, mehr als Hunderte von Jahren lang. Ich hasse dieses Haus und diesen ganzen Heimatkram. Ich will heraus, heraus aus allem, was ich muss. Ich will nur das noch machen, was ich kann.

Josef Bierbichler, Mittelreich