Tag 559. Schnupftuch.

Othello. Es ist würklich so; es ist etwas zauberisches in dem Gewebe davon. Eine Fee, welche den Lauf der Sonne zweyhundert mal anfangen und enden gesehen hatte, machte die Stikerey daran: Die Würmer waren geweyht, welche die Seide dazu spannen, und es wurde mit Mumien von einbalsamierten Jungfern-Herzen gefärbt.

Desdemona. In der That! Ist das wahr?

Othello. Sehr wahr; ihr könnt also nur Sorge dazu tragen.

 

 

William Shakespeare: Othello, der Mohr von Venedig

 

Tag 527. perhorreszieren.

Wenger: Pardon, für mich gibt es überhaupt keine religiösen und keine nationalen Unterschiede. Ich bin ein Mann der Wissenschaft. Ich perhorresziere –

Schreimann: Wir alle perhorreszieren!

Arthur Schnitzler, Professor Bernhardi

Tag 513. schmeißt.

Antonia: Gegen mich kommt keiner auf, auch du nicht. Ich kann ja so zornig werden, so zornig, dass es mich schmeißt nach links und rechts, wenn es über mich kommt.

Hugo von Hofmannsthal, Cristinas Heimreise

Tag 501. Salamander 

Wallenstein: […]
– Ja, wer durchs Leben gehet ohne Wunsch,
Sich jeden Zweck versagen kann, der wohnt
Im leichten Feuer mit dem Salamander
Und hält sich rein im reinen Element.
Mich schuf aus gröberm Stoffe die Natur,
Und zu der Erde zieht mich die Begierde.
Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht
Dem guten. Was die Göttlichen uns senden
Von oben, sind nur allgemeine Güter;
Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich,
In ihrem Staat erringt sich kein Besitz.
Den Edelstein, das allgeschätzte Gold
Muß man den falschen Mächten abgewinnen,
Die unterm Tage schlimmgeartet hausen.
Nicht ohne Opfer macht man sie geneigt,
Und keiner lebet, der aus ihrem Dienst
Die Seele hätte rein zurückgezogen.

Friedrich Schiller, Wallenstein

Tag 422. beim Styxfluß -!

Hermann.
[…] Meine ganze Sorge soll
Nur sein, wie ich, nach meinen Zwecken,
Geschlagen werd. – Welch ein wahnsinnger Tor
Müßt ich doch sein, wollt ich mir und der Heeresschar,
Die ich ins Feld des Todes führ, erlauben,
Das Aug, von dieser finstern Wahrheit ab,
Buntfarbgen Siegesbildern zuzuwenden,
Und gleichwohl dann gezwungen sein,
In dem gefährlichen Momente der Entscheidung,
Die ungeheure Wahrheit anzuschaun?
Nein! Schritt vor Schritt will ich das Land der großen Väter
Verlieren – über jeden Waldstrom schon im voraus,
Mir eine goldne Brücke baun,
In jeder Mordschlacht denken, wie ich in
Den letzten Winkel nur mich des Cheruskerlands
Zurückezieh: und triumphieren,
Wie nimmer Marius und Sylla triumphierten,
Wenn ich – nach einer runden Zahl von Jahren,
Versteht sich – im Schatten einer Wodanseiche,
Auf einem Grenzstein, mit den letzten Freunden,
Den schönen Tod der Helden sterben kann.

Dagobert.
Nun denn, beim Styxfluß –!

Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht

Tag 341. Pessimist.

Karoline: Wenn du so traurig bist, dann werd ich auch traurig.

Kasimir: Ich bin kein trauriger Mensch.

Karoline: Doch. Du bist ein Pessimist.

Kasimir: Das schon. Ein jeder intelligente Mensch ist ein Pessimist.

Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline

Ich empfehle (wie jedes Zitierte) das Stück im Ganzen, viele gibt es auch online bei:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/kasimir-und-karoline-2903/2

Tag 296. dazwischen.

Marguerite: (allein, betrachtet die geschlossene Tür) Warum nicht? – Wozu? – Mein Leben geht dahin und vergeht zwischen diesen beiden Fragen.

Alexandre Dumas fils: Die Kameliendame, Schauspiel in fünf Akten