Tag 561. Zapfengeruch.

Das Theater, wenn sie die Flasche zeigen, dann entkorken, dann einen Probeschluck einfüllen – fragen:

„Il est bon?“

Ich hasse Minderwertigkeitsgefühle.

„It’s okay“, sagte ich und ließ mich nicht einschüchtern, ich bemerkte genau den Zapfengeruch, aber wollte keine Debatte, „it’s okay“.

Max Frisch: Homo faber

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Tag 463. stolz.

Barblin: Ich geh nicht mehr aus dem Haus, damit sie mich in Ruh lassen. Ich denke an dich, Andri, den ganzen Tag, wenn du an der Arbeit bist, und jetzt bist du da, und wir sind allein – ich will, dass du an mich denkst, Andri, nicht an die andern. Hörst du? Nur an mich und an uns. Und ich will, dass du stolz bist, Andri, fröhlich und stolz, weil ich dich liebe vor allen andern.

Andri: Ich habe Angst, wenn ich stolz bin.

Max Frisch, Andorra

Tag 36. Der Weg.

Dann und wann gabelt sich der Weg, aber es kann nicht die Gabelung sein, die auf der Karte verzeichnet ist, und Herr Geiser braucht seine Karte nicht hervorzuholen: die entscheidende Gabelung, wo Herr Geiser links gehen soll, befindet sich oberhalb der ersten Ställe, und Ställe hat Herr Geiser bisher nicht gesehen. Eine Weile lang wird man trotzdem unsicher – vielleicht hat Herr Geiser die Ställe nicht sehen können wegen Nebel – bis es sich zeigt, dass es sich bloß um eine Abkürzung gehandelt hat; beide Wege, der steilere und der andere, kommen wieder zusammen, und also hat es sich nicht gelohnt, dass Herr Geiser zurückgegangen ist, um doch den steileren Weg zu wählen.

Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän

Tag 27. Unmöglichkeit.

Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben; diese Unmöglichkeit ist es, was uns verurteilt zu bleiben, wie unsere Gefährten uns sehen und spiegeln, „ich kenne dich“.

Max Frisch, Stiller