Tag 249. Tag

Wieder runter zu meinem Nachbarn, der es schafft, mir den Tag zu versauen. Nachdem er die Tür aufgemacht hat, frage ich nur: Geht’s?, und gehe wieder, und er fragt mich allen Ernstes, warum ich geklingelt habe. Warum habe ich all die Jahre bei ihm geklingelt? Damit er mir mit einer Tasse Zucker aushilft? Um seinen Subwoofer zu loben? Warum noch mal? Die letzten drei Jahre hat er übrigens fast nie die Tür aufgemacht, auch wenn man nachts Sturm klingelte. Ich träumte immer davon, ihn mit zwei Metallwinkeln von außen zuzudübeln.

Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur. 5.5.2010, 22:20

Tag 209. Zeit.

… nachdem ich stundenlang versucht habe, aus Scrivener schlau zu werden, wird mir langsam klar, dass ich keine Zeit habe, mich zwei Wochen auf eine neue Software einzustellen.

Wolfgang Herrndorf. Arbeit und Struktur. 29.6.2010, 20:00 Uhr

Tag 195. Müdigkeit.

Müdigkeit weg. Und hey, ich kann auch drei Kapitel am Tag. Das wollen wir doch erst mal sehen, ob sie beim Deutschen Jugendbuchpreis ein rasend schnell zusammengeschissenes Manuskript von einem durchredigierten unterscheiden können.

Wolfgang Herrndorf. Arbeit und Struktur, 1.6.2010, 11:53 Uhr

Tag 123. Wissen.

„Also, ich hätt’s vielleicht gewusst“, sagte Jonas und bohrte mit einem Finger in seinem Ohr. „Vielleicht hätt ich’s auch nicht gewusst. Ich weiß nicht, hätt ich das gewusst?“ Er sah zweifelnd seine Mutter an, und seine Mutter strich ihm liebevoll übers Haar und nickte, als hätt er’s ganz sicher gewusst.
Wolfgang Herrndorf. Tschick