Tag 326. Kampf

Es gibt den Frieden, gewiss, aber nicht einen, der dauernd in uns wohnt und uns nicht mehr verlässt. Es gibt nur einen Frieden, der immer und immer wieder mit unablässigem Kämpfen erstritten werden wird und von Tag zu Tag neu erstritten werden muss. … Es ist aber Kampf, es ist Kampf und Opfer wie jedes rechte Leben …

Hermann Hesse, Narziss und Goldmund

Tag 297. warten.

Klingsor: „Hermann, wie spricht Li Tai Pe?“
Hermann der Dichter blieb stehen und sprach:
„Das Leben vergeht wie ein Blitzstrahl,
Dessen Glanz kaum so lange währt,
dass man ihn sehen kann.
Wenn die Erde und der Himmel ewig
Unbeweglich stehen,
Wie rasch fliegt die wechselnde Zeit
Über das Antlitz der Menschen.
O du, der du beim vollen Becher sitzest
Und nicht trinkst,
O sage mir, auf wen wartest du noch?“

Hermann Hesse, Klingsors letzter Sommer

Tag 272. Inhalt.

Es ging schon stark in den Herbst hinein. […]
Noch immer streifte der blasse Exseminarist  im Freien umher, war unlustig und müde und floh das bisschen Umgang, das er hätte haben können. Der Arzt verschrieb Tropfen, Lebertran, Eier und kalte Waschungen.
Es war kein Wunder, dass alles nicht helfen wollte. Jedes gesunde Leben muss einen Inhalt und ein Ziel haben, und das war dem jungen Giebenrath verloren gegangen.

Hermann Hesse, Unterm Rad

Tag 188. ergänzen

Wir zwei, lieber Freund, sind Sonne und Mond, sind Meer und Land. Unser Ziel ist nicht, ineinander überzugehen, sondern einander zu erkennen und einer im anderen das sehen und ehren zu lernen was er ist: des anderen Gegenstück und Ergänzung.

Hermann Hesse: Narziss und Goldmund

Tag 120. Suchen.

Es gab keine, keine, keine Pflicht für erwachte Menschen als die eine: sich selber zu suchen, in sich fest zu werden, den eigenen Weg vorwärts zu tasten, einerlei wohin er führte.

Hermann Hesse, Demian

Tag 116. Ersatz.

Klingsor: „Sieh, Luigi, ich denke oft wie du: unsere ganze Kunst ist bloß ein Ersatz, ein mühsamer und zehnmal zu teuer bezahlter Ersatz für versäumtes Leben, versäumte Tierheit, versäumte Liebe. Aber es ist doch nicht so. Es ist ganz anders. Man überschätzt das Sinnliche, wenn man das Geistige nur als einen Notersatz für fehlendes Sinnliches ansieht. Das Sinnliche ist um kein Haar mehr wert als der Geist, so wenig wie umgekehrt. Es ist alles eins, es ist alles gleich gut.“

Hermann Hesse: Klingsors letzter Sommer

Tag 26. Ein Ziel.

Das Ziel ist dies: mich immer dahin zu stellen, wo ich am besten dienen kann, wo meine Art, meine Eigenschaften und Gaben den besten Boden, das größte Wirkungsfeld finden. Es gibt kein anderes Ziel.

Hermann Hesse, Narziss und Goldmund