Tag 708. kompromittieren.

Stadtvogt. […] Es ist peinlich für einen Beamten, wenn seine nächsten Angehörigen sich ein ums andre Mal kompromittieren.

Stockmann. Und Du meinst, ich tue das?

Stadtvogt. Ja, leider tust Du das, ohne es selbst zu wissen. Du hast eine unruhige, streitbare, aufrührerische Gemütsart. Und dann Dein unglückseliger Hang, öffentlich über alle möglichen und unmöglichen Dinge zu schreiben. Kaum hast Du einen Einfall – gleich mußt Du einen Zeitungsartikel oder eine ganze Broschüre draus machen.

Stockmann. Ja, aber ist es denn nicht die Pflicht eines Staatsbürgers, sich dem Publikum mitzuteilen, wenn er einen neuen Gedanken hat!

Stadtvogt. Ach, das Publikum braucht gar keine neuen Gedanken. Dem Publikum ist am besten mit den alten, guten, anerkannten Gedanken gedient, die es schon hat.

Henrik Ibsen: Ein Volksfeind

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Tag 655. kompakt.

Stockmann. […] Käte, – weißt Du, was ich hinter mir habe?

Frau Stockmann. Hinter Dir? Nein; was hast Du denn hinter Dir?

Stockmann. Die kompakte Majorität.

Frau Stockmann. So. Ist das gut für Dich, Thomas?

Henrik Ibsen: Ein Volksfeind

Tag 635. Recht.

Stockmann. […] Mich einen Feind der Gesellschaft zu nennen! Mich! Das lasse ich, bei meiner Seele Seligkeit, nicht auf mir sitzen!

Frau Stockmann. Aber, bester Thomas, Dein Bruder hat nun einmal die Macht –

Stockmann. Ja, aber ich habe das Recht, Du!

Frau Stockmann. Ach ja, das Recht, das Recht; was hilft Dir Dein Recht, wenn Du nicht die Macht hast?

Henrik Ibsen: Ein Volksfeind

What an adaptation. http://www.schaubuehne.de/de/produktionen/ein-volksfeind.html/ID_Vorstellung=2439

Tag 531. lüften.

Frau Lynge: Aber was treibt denn dieses Fräulein Hessel in Amerika?
Frau Rummel: Ja, sehen Sie, darüber liegt, wie Rummel sich einmal ausdrückte, ein Schleier, den man schwerlich lüften dürfte.
Frau Lynge: Wieso nicht?
Frau Rummel: Sie steht, wie Sie begreifen werden, mit der Familie ja nicht mehr in Verbindung; aber so viel weiß doch die ganze Stadt, dass sie drüben für Geld in den Kneipen gesungen hat –
Frau Holt: – und Vorträge gehalten –
Frau Rummel: – und ein ganz verrücktes Buch geschrieben hat.
Frau Lynge: Denk‘ mal an!

Henrik Ibsen, Die Stützen der Gesellschaft

Tag 431. dumpfig.

Solvejg: So oder so – hier ists’s gut, wo wir sind.
Wie atmet sich’s leicht widern wehenden Wind!
Dort drunten war’s dumpfig, du fühltest dich beengt;
Das hat mich auch mit aus dem Ort fortgedrängt.
Aber hier, wo du hörest der Föhren Gesause –
Welche Stille, welche Töne! -, hier bin ich zu Hause.
Henrik Ibsen: Peer Gynt, Übers. Christian Morgenstern; hier: Solvejg zu Peer Gynt