Tag 233. nichts.

Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.

Rahel Varnhagen, Tagebuch, 11.3.1810

Advertisements

Tag 200. Garten.

Meine größte Kränkung besteht darin, dass ich in keinem Garten lebe; in keiner Gegend; mit einem Wort, auf keinem Ort, wo ich aus der Tür‘ ins Grüne trete: aus dem Fenster dahin sehe. Es liegt nicht in meinem Schicksal, mir das zu schaffen, was mir das Wichtigste ist; nur das liegt drin, dass ich das bin, was mir das Wichtigste ist.

Rahel Varnhagen an Karl Gustav v. Brinckmann, 24.4.1824

Tag 43. Die Wahrheit.

Wir sind geschaffen, die Wahrheit in dieser Welt zu leben. Und auf verschiedenem Wege sind wir zu einem Punkt gelangt. Wir sind neben der menschlichen Gesellschaft. Für uns ist kein Platz, kein Amt, kein eitler Titel da! Alle Lügen haben einen: die ewige Wahrheit, das richtige Leben und Fühlen, das sich unabgebrochen auf einfach tiefe Menschenanlagen, auf die für uns zu fassende Natur zurückführen lässt, hat keinen! Und somit sind wir ausgeschlossen aus der Gesellschaft, Sie, weil Sie sie beleidigen. (Ich gratuliere Ihnen dazu! So hatten Sie doch etwas; viele Tage der Lust!) Ich, weil ich nicht mit ihr sündigen und lügen kann.

Rahel Varnhagen an Pauline Wiesel, 12.3.1810