Tag 146. Aufschieben.

Mitten im Krieg denkt man nur, wie er enden wird, und schiebt das Leben auf. Wenn viele das tun, entsteht in uns der leere Raum, in den der Krieg hineinströmt. Dass auch ich mich anfangs dem Gefühl überließ, jetzt lebte ich nur vorläufig, die wahre Wirklichkeit stünde mir noch bevor, dass ich das Leben vorbei gehen ließ – das tut mir mehr als alles andere leid.

Christa Wolf, Kassandra

Tag 56. Flussblick.

Ihre Mutter, Charlotte Jordan, hielt dafür, dass man es einem Menschen anmerke, ob er in seiner Kindheit lange genug auf einen Fluss habe blicken können. Es ändere den Blick.

Christa Wolf, Kindheitsmuster