Tag 698. greifen.

Es braucht viele Jahre, bis mir aufgeht, dass das, was ein Aufschreiber mit dem, was er aufschreibt, erreichen will, nicht mit Händen zu greifen sein darf.

Erwin Strittmatter, Lebenszeit (ursprünglich aus: Der Laden. 2. Teil)

Tag 695. Groschen.

Merke: Es ist kein Geld schlechter erhaust, als was man armen Leuten am Lohn und Trinkgeld vorenthält, und wofür man gehauen oder sonst verunehrt wird. Für ein paar Groschen kann man viel Freundlichkeit und guten Willen kaufen.

Johann Peter Hebel, Die zwei Postillione

Tag 693. Trotz.

Alfred Adler sagte: „Wissen Sie, wie man den Schlüssel zu allen Neurosen findet? Man fragt: wer soll zerspringen? Das ist immer der Zweck. Alle sind sie irgendeinem zum Trotz krank.“

Ludwig Marcuse, Philosophie des Un-Glücks

Tag 692. Rührung.

Die Geige klingt zu meiner Überraschung mächtig und klar.
Zaghaft stimme ich ein. Ich flüstere mehr als dass ich singe. Er unterbricht das Spiel.
Ein bissel lauter müsste es schon sein. Piano meinetwegen, nicht pianissimo. Verstehst mich?
Ich versteh ihn gut.
Am liebsten würde ich ihm bloß zuhören.
Wir proben jedes Lied zweimal. Dann packt er unverzüglich die Geige in den Kasten, tätschelt mir die Wange, riecht, als habe er sich in Eukalyptusessenz gebadet.
Wir werden’s überstehen, Bub. Denk an die Rührung.

Peter Härtling, Nachgetragene Liebe

Tag 691. meaning.

„What is the meaning of it, Watson?“ said Holmes solemnly as he laid down the paper. „What object is served by this circle of misery and violence and fear? It must tend to some end, or else our universe is ruled by chance, which is unthinkable. But what end? There is the great standing perennial problem to which human reason is as far from an answer as ever.“

Arthur Conan Doyle. The Adventure of the Cardboard Box.